Professional Imperfection. Body. Exploration/Christoph Tannert

Professionelle Imperfektion. Körper. Erkundung
Text von Christoph Tannert
Januar 2018

Für Tomoko Kawai ist Kunst ein offener Prozess des Forschens. Sämtliche von ihr genutzten künstlerischen Verfahrensweisen und Medien interpretiert sie als Teil eines diskursiven Vorgehens, das sie initiiert, um Erkenntnisse zu generieren. In all ihren Suchbewegungen, die sie auf diversen Ebenen etabliert, kulturhistorisch, philosophisch und ästhetisch, steht dabei der Körper im Zentrum ihres Interesses. Ihren eigenen Körper setzt sie ein, um zu beobachten, zu entdecken, zu verstehen. Ihr Körper wird innerhalb ihrer künstlerischen Forschung zum Schauplatz kommunikativen Austauschs. Als Wahrheit gilt für sie das, was ihr Körper sie lehrt bzw. zu denken gibt. Ausgangspunkt sind vielfältige Kommunikationsbedingungen und argumentativ reichhaltige Dialoge. 

All das, was sie selbst initiiert und intellektuell wie sinnlich gewinnt, versucht Tomoko Kawai auch dem Publikum zugänglich zu machen. Man könnte ihre Ausstellung „On the Origin of Springs“ (betitelt nach einem Buch von Pierre Perrault, 1674) insofern als Diskursanordnung bezeichnen. Sämtliche Ausstellungsstücke sind Belege ihres kommunikativen Handelns. Sie werden als Elemente einer kommunikativen Realität ausgebreitet, die auch das Publikum in die Debatte einbezieht.

Tomoko Kawai blickt aus weiblicher Sicht auf das Andere, das Fremde, dem sie sich in unterschiedlichsten Situationen ausgesetzt hat, nicht zuletzt mit ihrem Stipendienaufenthalt im Künstlerhaus Bethanien in Berlin. Sie verknüpft diese produktive Grenzerfahrung mit der Frage: Wie gehen Kulturen mit der Andersheit um? Und sie steuert auf die noch fundamentalere Frage zu, nämlich der nach dem Ursprung menschlichen Seins. Und das in einer durch Flucht und Migration von mehr als einer Milliarde Menschen zusätzlich in Bewegung geratenen Welt, die gerade die Auferstehung zutiefst konservativer Ideale und Leitbilder erlebt.

Die Künstlerin hat sich vorgenommen, präzise und aufklärerische Texte und Bilder zu finden für das Reich ihrer Empfindungen und ihres Denkens im Spiegel diverser „Quellen“.

Die Ausstellung, die durch das Text- und Quellen-Studium von Tomoko Kawai konzeptionell Gestalt angenommen und die sich die Künstlerin auf ihren Reisen durch Japan und durch Berlin erwandert hat, erkundet das Verhältnis von Mensch, Natur, Tier und Stadt, außerdem Aspekte der Welt-Einheit im Zeitalter der Globalisierung samt eines neuen planetarischen Bewusstseins. 


Professional Imperfection. Body. Exploration

Text by Christoph Tannert
January 2018

Art, the Japanese artist Tomoko Kawai believes, is an open-ended research process. She interprets all the various creative techniques and media she uses as parts of a discursive approach she initiates to engender insights. She stages her explorative movements on several planes: cultural history, philosophy, aesthetics. The body is always the center of interest. She employs her own body to observe, to discover, to understand. In her artistic research, her body becomes the scene of a communicative exchange. Truth, to her mind, is what her body teaches her, what it brings to her attention and prompts her to think about. Variegated conditions of communication and argumentatively rich dialogues form the point of departure.

Tomoko Kawai seeks to provide her audience with access to everything she initiates, to the full fruits of her intellectual as well as sensory exploration. In this sense, we might describe her exhibition “On the Origin of Springs” (after a book by Pierre Perrault, 1674) as a discursive arrangement. Each exhibit is evidence of her communicative action. She sets them out as elements of a communicative reality that solicits the audience’s active involvement in the debate.

Tomoko Kawai articulates a female perspective on the Other, the unknown, to which she has exposed herself in a wide variety of situations, not least among them her residency at Künstlerhaus Bethanien, Berlin. She intertwines this productive experience of the limits of understanding with the question: how do cultures engage with alterity? And she homes in on the even more fundamental question of the origin of human existence. What is more, she addresses it in a world set in increasingly dynamic motion by more than a billion refugees and migrants, a world that is witnessing a revival of profoundly conservative ideals and visions.

The artist has set out to find precise and enlightening texts and images for the realm of her feelings and thoughts in the mirror of various “sources.”

The exhibition, whose conceptual framework derives from Tomoko Kawai’s study of texts and sources and for which the artist roamed Japan and the streets of Berlin, probes the interrelations between man, nature, animal, and city, as well as aspects of the world’s oneness in the age of globalization with an attendant novel planetary awareness.